Unsere Grundsätze

Aus unseren Träumen und Wünschen haben wir die folgenden Grundsätze der Luftschlosserei erarbeitet. Hinter der Beschreibung eines Grundsatzes ist jeweils durch ein paar Punkte beschrieben, wie wir ihn konkret mit Leben füllen. Natürlich können unsere Grundsätze und ihre Umsetzung weiterentwickelt werden, wenn neue Leute und damit eventuell neue Ziele hinzukommen.

Basisdemokratische Entscheidungsfindung

Basisdemokratische EntscheidungsfindungSelbstbestimmtes und verantwortungsbewusstes Handeln auf Augenhöhe sind für uns wichtige Grundlagen des gemeinsamen Zusammenlebens. Klassische Mehrheitsentscheidungen werden aus unserer Sicht diesem Anspruch nicht gerecht. Sie erzeugen eine Konkurrenzsituation, in der es darum geht, die eigene Meinung durchzusetzen. Statt zu nachhaltigen und robusten Lösungen führen Mehrheitsentscheidungen zu kurzfristigen Kompromissen, die gern wieder umgestoßen werden, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Wir organisieren uns basisdemokratisch und entscheiden im Konsens. Das heißt nicht, dass „alle immer derselben Meinung sind“, „wir so lange diskutieren bis alle (genervt) zustimmen“ oder „immer alle über alles reden“. Konsens bedeutet, dass die tatsächlichen Bedürfnisse der Betroffenen gleichberechtigt berücksichtigt werden. Dazu suchen wir konstruktiv und gemeinsam kreative Lösungen, mit denen alle leben können. Lösungen, die mehr sind, als die Summe ihrer Teile. So können alle mitbestimmen, wo es lang geht.

  • Wir treffen uns wöchentlich im Plenum.
  • Wir entscheiden im Konsens. Dabei nutzen wir manchmal Bewertungswahlen. Ein Veto gibt es nicht. Für Situationen mit sehr verschiedenen Interessen haben wir ein klares, mehrstufiges Verfahren zur Entscheidungsfindung (pdf).
  • Wir achten auf Machtverhältnisse innerhalb der Gruppe und reflektieren sie. Beispielsweise wechseln wir uns bei der Moderation des Plenums ab.
  • Viele Aufgaben werden außerhalb des Plenums in Arbeitsgruppen erledigt.

Konstruktiver Umgang mit Konflikten

Konstruktiver Umgang mit KonfliktenHäufig werden unterschiedliche Interessen destruktiv und nicht auf Augenhöhe verhandelt. Nicht selten eskalieren Konflikte dann; gegenseitige Kränkungen oder unterschwellige Heimzahlungen belasten die Beziehungen. Oder Probleme werden tabuisiert und unter fadenscheiniger Harmonie verdeckt; Einzelne ordnen sich unter oder gehen dem Konflikt aus dem Weg.

Wir versuchen, konstruktiv und offen mit aufkommenden Konflikten umzugehen, aufeinander zu achten und uns gegenseitig Wertschätzung entgegen zu bringen. In Konfliktsituationen bedeutet dies, jede*n mit seinen oder ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen. Konflikte gehören für uns zum gemeinsamen Leben; sie zeigen unterschiedliche Bedürfnisse an. Konstruktiver Umgang heißt, dass wir Probleme ansprechen, nach den tatsächlichen Hintergründen für Unvereinbarkeiten suchen und Lösungen entwickeln, in denen sich alle wiederfinden. Dabei sind wir alle Lernende, unterstützen uns gegenseitig, lernen voneinander und aneinander. Bei schwierigen Konflikten, an denen wir selbst nicht mehr weiterkommen, sind wir offen für externe Unterstützung.

  • Ein Teil unseres wöchentlichen Plenums ist „Sozialplenum“ – damit haben wir einen festen Raum, um über Konflikte und persönliche oder soziale Schwierigkeiten zu sprechen.
  • Bei schwierigen Konflikten nutzten wir bereits externe Mediation und Gruppenbegleitung.
  • Regelmäßig haben wir Klausurwochenenden, an denen wir uns auch sozialen Fragen widmen oder Workshops machen.
  • Einige unserer Überlegungen finden sich hier (pdf).

Gemeinsam wirtschaften

Gemeinsam wirtschaftenWir sind der Überzeugung, dass die klassische Art „jede*r wirtschaftet im Eigeninteresse und in Konkurrenz zu Anderen“ ineffektiv ist, das Leben der Einzelnen zu einseitig bestimmt und viele Ungerechtigkeiten hervorbringt.

Wir wirtschaften solidarisch und gemeinsam:

a) Damit können wir Synergien besser nutzen und verschiedene Ressourcen (Geld, Zeit, Wissen, Fähigkeiten, Kontakte, …) effektiver einsetzen. Durch Teilen kann mehr für alle entstehen.

b) Wir möchten der Diktatur des Geldes als scheinbar notwendigem Mittel für viele Bedürfnisse (Status und Wertschätzung, Lebensunterhalt, etc.) entkommen sowie erzwungene Lohnarbeit umgehen – und somit selbstbestimmter und sinnerfüllter leben.

c) Gemeinsam können wir Härten für Einzelne ausgleichen und neue persönliche Wege ermöglichen.

  • Wir teilen unsere Einkünfte vollständig. Aus der Gemeinschaftskasse kann jede*r nehmen, was sie oder er braucht. Ausgaben über 150 Euro werden vorher angekündigt.
  • Auch unsere bei Einstieg vorhandenen Vermögen überführen wir in die Gemeinschaft – in Teilen über mehrere Jahre hinweg.
  • Wir schauen uns regelmäßig im Plenum unsere finanzielle Situation an.
  • Manche von uns arbeiten mehr extern, andere mehr intern. Haushaltsarbeit machen alle.
  • Gemeinsam können wir uns gelegentlich Dinge anschaffen, die wir uns einzeln nicht leisten könnten. (Das beste Beispiel dafür ist unser Gelände.)
  • Damit wir uns in schwierigen Situationen oder bei einem individuellen Ausstieg nicht zerstreiten, haben wir Verträge miteinander geschlossen, in denen vieles genau geregelt ist.
  • Eine ausführliche Darstellung unseres Konzeptes findet sich hier (pdf).

Veganes Wirtschaften kultivieren

Veganes Wirtschaften kultivierenDer Konsum tierischer Produkte (Wurst, Fleisch, Milchprodukte, Eier, Leder, …) hat Konsequenzen für Tiere (Tierhaltung, Schlachtung) sowie für Mensch und Umwelt (Treibhausgase, Futtermittelplantagen, Überfischung, Ressourcenbilanz, Monokultur). Darum möchten wir weitgehend vegan wirtschaften. Das betrifft Lebensmittel wie auch andere Produkte. Gleichzeitig möchten wir, dass jede*r selbst entscheiden kann, wie sie oder er sich ernährt und einkauft. Deswegen schließen wir tierische Produkte im individuellen Konsum nicht aus.

  • Unter der Woche wird jeden Abend für die Gemeinschaft vegan gekocht.
  • Manche von uns kaufen sich gelegentlich Käse, Wurst oder anderes. Nichtvegane Lebensmittel in Kühlschrank oder Speisekammer sind markiert, damit sie leicht als solche erkennbar sind.
  • Wir halten weder „Nutztiere“ noch „Haustiere“. Wenn ein Tier bei uns einziehen sollte, achten wir auf artgerechte Bedingungen und Verantwortung gegenüber dem Tier.

Nachhaltigkeit

NachhaltigkeitDer verbreitete, von kurzfristigem Denken geprägte Raubbau an Mensch und Natur stellt für uns keine Option dar.

Verantwortungsvolles Handeln ist daher für uns nicht nur im Umgang untereinander wichtig, sondern auch im Umgang mit Ressourcen und unserer Umwelt. Wir verorten Nachhaltigkeit nicht nur in der Verwendung von Rohstoffen, sondern im gesamten Arbeiten, Planen, Denken und Leben.

Wir möchten auch sozial nachhaltige Strukturen schaffen – z.B. auch Ältere oder Kranke integrieren.

  • Wir versuchen, bewusst zu konsumieren und dabei ökologische oder anders nachhaltige Varianten zu wählen.
  • Auf unserer Baustelle achten wir auf ökologische Baustoffe, hohe Energieeffizienz und langlebige Varianten.
  • Wir möchten in Zukunft unseren Acker bewirtschaften, um besonders nachhaltig Gemüse zu bekommen.

Das Beste aus Stadt und Land

Das Beste aus Stadt und LandWir streben einen Ausgleich der Vor- und Nachteile, die das Leben in der Stadt und auf dem Land bieten, an.

Für uns ist ein Leben nah an der Natur wichtig, statt vor allem von Asphalt und Beton umgeben zu sein. Wir wollen z. B. vom Schreibtisch oder der Werkbank aufstehen und in der Natur spazieren gehen können, aus der Küche in den Garten treten, um frische Kräuter zu ernten, oder nach einem anstrengenden Tag am Lagerfeuer sitzen können.

Aber wir möchten auch an die kulturellen und politischen Möglichkeiten der Stadt angebunden sein – Veranstaltungen besuchen können, mit Anderen im Austausch stehen und erreichbar sein. Dazu ist uns eine ausreichend gute Anbindung an den Nahverkehr wichtig.

  • Unser Gelände ist 1,2 km vom Bahnhof Profen entfernt. Von dort sind es mit der Bahn 29 Minuten zum Hauptbahnhof Leipzig.
  • Auf unserem Gelände gibt es viel Grün. Spaziergänge durch die Natur sind ganz in der Nähe möglich.

Politische Außenwirkung und Vernetzung

Politische Außenwirkung und VernetzungWir möchten keine abgeschottete Trauminsel sein.

Ein offener Austausch und kritische Auseinandersetzung ist uns nicht nur innerhalb der Gruppe wichtig, sondern auch mit unserer Umwelt. Zum Einen wollen wir uns in die lokale Situation vor Ort einbinden, mitentscheiden, mitgestalten. Zum Anderen ist die Vernetzung mit bestehenden regionalen wie überregionalen politischen Projekten wichtig, um uns gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen sowie Arbeitskraft und Ressourcen miteinander zu teilen. Kurz: Wir möchten Gesellschaft verändern!

  • Wir engagieren uns individuell in verschiedenen Projekten und Aktionen politisch und unterstützen uns gegenseitig dabei.
  • Wir verstehen die Luftschlosserei auch als Modell. Wir zeigen unsere Lösungen für verschiedene ökonomische und soziale Probleme.
  • Wir sind Teil des KommuJa-Netzwerks politischer Kommunen, in dem wir uns austauschen und einbringen.

Projekträume und Experimentierfläche

Projekträume und ExperimentierflächeVieles von dem, was wir noch vorhaben und organisieren wollen, braucht unkonventionelle Ideen oder individuelle, unseren Bedürfnissen angepasste Lösungen. Uns selbst verlangt das eine große Bereitschaft zum Experimentieren ab. Außerdem benötigen wir dazu viel Projektfläche – Räumlichkeiten, in denen wir uns treffen, uns ausprobieren, kreativ überlegen und arbeiten können.

In der derzeitigen Gruppe gibt es verschiedene Ideen und Wünsche, welche Projektflächen erstrebenswert sind, z. B. Werkstätten, Garten, Büroräume, Veranstaltungsfläche… In den Räumlichkeiten geben sich idealerweise Funktionalität und Gestaltung die Hand.

Zusammen sollen das kreative Klima und die passenden Räumlichkeiten ermöglichen: Waren zur Selbstversorgung und zum Handel zu erzeugen, professionelle und effektive Arbeiten für das Projekt und sein Umfeld zu vollbringen, sowie kulturelle, politische und soziale Werte zu schaffen.

  • Auf unserem Gelände gibt es viel Platz zum Gestalten: Häuser, eine Scheune, Wiesen, einen Hof und kleinere Plätze.
  • Geplant sind derzeit neben Wohnräumen eine Großküche, Büroräume, eine Sauna, weitere Gemeinschaftsräume sowie Werkstätten.

Individuelle Freiräume und persönliches Wachstum

Individuelle Freiräume und persönliches WachstumIn mancherlei Hinsicht können wir nicht leben, wie wir uns wünschen – sei es aus materiellen Gründen oder aufgrund sozialer Zwänge: Denn oft bestimmen vorherrschende gesellschaftliche Normen, wie mensch zu leben oder eingepfercht in eine „Schublade“ (wie z.B. „Frau“ oder „Mann“) zu sein habe.

Erst Freiräume ermöglichen eine Entfaltung und Entwicklung der Einzelnen, um persönliche Prioritäten auszuloten, Neues zu wagen und Verantwortung zu übernehmen. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der wir uns wohl fühlen, in der freies unkonventionelles Denken und Leben möglich ist und unvoreingenommen diskutiert werden kann.

Wir wünschen uns eine Kultur des achtsamen Umgangs auf Augenhöhe; diskriminierendes Verhalten jeder Art hat darin selbstverständlich keinen Platz. Zwar ist niemand perfekt, aber wir sind gemeinsam und einzeln auf dem Weg. Wir streben eine Atmosphäre an, in der offenes konstruktives Feedback und die kritische Auseinandersetzung mit den persönlichen „blinden Flecken“ möglich wird.

Wir wünschen uns, mit Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit gemeinsame Ziele zu verfolgen. Doch persönliche Rückzugsmöglichkeiten und Freiheiten sind uns ebenso wichtig. Denn das Projekt soll uns auch ein persönliches Zuhause sein, ein Ruhepol, Kraftquelle und Ort der Inspiration. Diese Spannungsfelder zwischen Gemeinschaftlichkeit und Autonomie, zwischen Zielorientierung und kreativer Offenheit müssen immer wieder neu ausgehandelt werden – zentral ist dabei, sich klar und transparent über die jeweiligen Bedürfnisse auszutauschen.

  • Häufig merken wir unsere Unterschiedlichkeit. Dann versuchen wir nicht, zu entscheiden, „was besser ist“, sondern möglichst allen individuellen Interessen nachzukommen.