30.10.2014

Stadt als Probe fürs Land

Seit wir den Beschluss gefasst hatten zusammenzuziehen, ist viel passiert. Im März haben 6 von uns mittlerweile 10 Luftschlosser_innen zusammen im Leipziger Süden eine große WG gegründet. Küche, sechs Zimmer und zwei Gemeinschaftsräume lassen viel Platz zum gemeinsam Arbeiten und Feiern – nicht zu vergessen der Balkon, wo gerade die letzten Tomaten in der goldenen Oktobersonne reifen (Anm.: heute schließlich geerntet 😉 ).

Erste Ansätze von Selbstversorgung haben wir also bereits im Kleinformat begangen. Sehr viel mehr Tragweite hat für uns aber der Versuch, bereits jetzt in gemeinsamer Einkommensökonomie zusammen zu wohnen. Aktuell arbeiten wir gerade an einem Konzept, wie Menschen in unserer Gruppe mit gemeinsamer Ökonomie mit Lebenspartnern außerhalb der gemeinsamen Ökonomie wirtschaften können, ohne dass dies zu Unstimmigkeiten führt.

tomaten aufm balkon

Da wir zusammen wohnen, haben wir auch ein gemeinsames Alltagsleben. Was wir an Gemüse bekommen, haben wir von den „Roten Beeten“, Leipzigs „Solidarisches Landwirtschafts“-Projekt (oder auch: CSA = Community Supported Agriculture), also direkt vom biologisch bewirtschafteten Acker einer Landkommune nahe Leipzig in einen Keller in unserem Viertel gefahren und dort ein paar Stunden später von uns abgeholt. Mit uns teilen sich 16 weitere WGs oder Familien diesen „Verteilungskeller“ – und die Vielfalt ist erstaunlich groß: von Grünkohl über Portulak, Paprika, Karotten, Kürbissen bis Mais reicht das Angebot. Das ganze wird dann täglich von einem von uns zu einem leckeren Gericht verzaubert – jeden Abend um 19 Uhr dürfen alle die veganen Kochkünste eines Mitbewohnenden bewundern bzw. genießen.

Für all die lästigen Aufgaben darum herum wie Putzen, Abwaschen, Müll rausbringen, Dinge reparieren etc. haben wir keinen stupiden Putzplan, sondern ein reizvolles WG-Managementsystem (das erklären wir Euch ein anderes Mal).

Also, in der Luftschlosserei wird nicht nur mit Luft geschlossert, sondern es passiert schon eine Menge; zwar noch nicht auf dem Land – und noch nicht viel von Hand,
aber zumindest stecken wir schon unsere Köpfe zusammen, unsere „Ideenwelten“,
und die Kraft gemeinsamer Ideen ist niemals zu unterschätzen …

Eure Luftschlosser_innen!

 

09.12.2013

Wir ziehen zusammen – Kommune wird praktisch!

In diesem Jahr ist viel passiert: Einige sind von uns gegangen, viele sind neu dazu gekommen. Jennifer, Katja, Matthias und Vanessa sind in unsere Gruppe eingestiegen, Frank, Mandus, Sebastian und Sven sind von der alten Besetzung dabei.
wg-gruppe beim fruehstuecken
Jetzt wird es endlich konkret: Einige von uns wollen als Zwischenschritt auf dem Weg zur Kommune zusammen in eine große WG ziehen. Sie soll noch innerhalb der Stadt sein. Denn wir wollen endlich zusammen leben können, um nicht bis zum „St. Grundstückleinstag“ zu warten. Schlussendlich wollen wir kreativ Zusammenleben gestalten und praktisch gemeinsame Ökonomie verwirklichen. Konkret heißt das: Sechs von uns ziehen zum 1. März zusammen. Im Moment suchen wir fieberhaft nach einer geeigneten großen Wohnung in der Stadt: Wer also 7 oder mehr Zimmer, Küche, Bad oder zwei Wohnungen im selben Haus frei hat, ist herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden und damit ein wunderbares Projekt und den Beginn einer neuen Welt zu unterstützen 😉

Eure Luftschlosser_innen!

 

12.02.2013

Von Wünschen wach küssen lassen, oder: Vision >> Planen >> Handeln >> Feedback+Feiern >> Vision >> …

Kaltstart is nich – weder im Sport, noch in selbstorganisierten, freiwilligen Gruppen. Unsere Anlaufphase 2013 haben wir genutzt, um uns (gemeinsam mit einigen Neu-Interessent_innen) von unseren Wünschen wach küssen zu lassen: „Was muss 2013 passieren, damit ich mich wohl fühle bzw. damit ich das Gefühl habe, die Zeit in der Gruppe sinnvoll verbracht zu haben?“


Doch damit die Träume keine Träume bleiben [wichtiger Bogen!], was bedeuteten sie für die nächsten konkreten, gemeinsamen Handlungsschritte? Genau diese Ideen haben wir frei gesammelt, dann Ähnliches zusammengestellt [Moderationssprech: geclustert, yo!], um daraus handhabbare Ziele zu formen [Moderationssprech: SMART-Kriterien beachten]. Aber sind uns denn momentan alle Ziele gleich wichtig? Wie sollten wir in den kommenden Monaten unsere Energie verteilen? Also nochmal gewürzt mit ner eleganten Moderationsmethode: Priorisieren durch Bepunkten. Das Ergebnis, Ziele-Top3 der Luftschlosserei Winter&Frühjahr 2013 [*Trommelwirbel*]:

1. Bis Ende April haben wir unser Rechtsformenkonzept samt dazugehörigen Satzungen und Verträgen verabschiedet. [yeah, endlich! hoffentlich!]

2. Unser erstes Finanzierungskonzept wird überarbeitet und zugehörige Verträge sind bis Ende April fertig gestellt. [Ja, genau, danach nehmen wir gern eure Darlehen entgegen!]

3. Nach drei Monaten haben alle (neue Interessierte sowie Alte) das Gefühl, die Anderen gut zu kennen. [Zeit für Selbstironie: Na sowas, hierzu haben wir noch kein schriftliches Konzept! ;-)]

Die Reise gemäß Handlungskreislauf aus der Überschrift ging nun von der gemeinsamen Vision zum Planen. Das Umsetzen und Handeln hat begonnen. Geschafftes zu würdigen, zu feiern und für nächste Schritte daraus zu lernen: dabei können wir übrigens noch besser werden, haben wir festgestellt… aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

– Markus –

PS: Lecker! Lecker! Out now! Wir haben eine Säule aus unserem Selbstverständnis konkretisiert: Veganes Wirtschaften kultivieren, jetzt weniger missverständlich.

 

28.11.2012

Konsens ohne Veto?
– Ich glaube es hackt!

In letzter Zeit haben wir uns einige Gedanken zum Thema Konsens und Entscheidungsfindung gemacht. Viele von uns sind es gewohnt, in Gruppen nach dem Konsensprinzip (ausführlicher auf englisch) zu entscheiden (super Buch dazu ist „Konsens – Handbuch der gewaltfreien Entscheidungsfindung“). Im Grundsatz heißt das, aus den Bedürfnissen der Beteiligten gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Meistens braucht es dafür zwar ein etwas strukturiertes Vorgehen (siehe Bild), durch den geübten Prozess des gemeinsamen Überlegens entsteht aber in vielen Fällen recht automatisch eine einstimmige Lösung. Die größte Hürde ist oft, selbst zu wissen was ich eigentlich brauche und will.

Konsensfisch

Was passiert aber bei größerer Uneinigkeit?

Eine klassische Antwort ist: allen ein Vetorecht zu geben. Das hat sehr viele Vorteile (wie den Schutz von Minderheiten oder den starken Anreiz kooperativ Lösungen zu finden), aber auch einige wesentliche Nachteile (wie die Möglichkeit einzelner oder weniger die Gruppe zu dominieren oder der Tendenz den Status quo zu erhalten). Abgemildert wird das Ganze gerne mit der „Konsens-minus Eins“-Regelung.

Es stellt sich also die Frage, wie die Bewertungsphase im ohnehin kooperativen Konsensverfahren gestaltet werden kann, wenn sich keine unkomplizierte Einstimmigkeit einstellt und auf ein Vetorecht verzichtet werden soll.

Was fehlt ist ja im Grunde eine Notfall-Option, ein abschließendes, von allen akzeptiertes Bewertungsverfahren, mit dem sich eine Lösung unter den Vorschlägen herausfiltern lässt (wobei einer der Vorschläge „So-lassen-wie-es-ist“ sein kann). Wissenschaftlich heißt das: „Aggregation individueller Präferenzen zu einer kollektiven Präferenz“ und nennt sich Sozialwahltheorie. Zwei zentrale Aussagen dieser sind: das perfekte Verfahren zu finden ist nicht ganz einfach und unter gewissen Voraussetzungen unmöglich und eines der schlechtesten Verfahren ist die Mehrheitsentscheidung. Es gibt aber ein Verfahren das ziemlich optimal ist: die Bewertungswahl (ausführlicher englisch). Das heißt, jede_r bewertet jeden Vorschlag auf einer Skala (z.B. 0 bis 10). Der Vorschlag mit der höchsten zusammengezählten Beliebtheit gewinnt.

Was heißt das jetzt konkret für uns?

Neunzig Prozent der Konsens-Entscheidungen werden sowieso weiterhin – nach kurzer oder längerer Diskussion – einstimmig entschieden werden. Für die Fälle in denen die Gruppenmeinung nicht so eindeutig ist (in der Vergangenheit waren das z.B. kreative Entscheidungen wie Logo und Name), wollen wir die vetolose Bewertungswahl ausprobieren.

Dabei soll es mindestens zwei Bewertungsdurchgänge geben. Nach dem ersten Durchgang kann mensch die Urteile der anderen sehen und es bietet sich an, die Bedenken hinter negativen und sehr polarisierten Bewertungen anzuhören. Für einen weiteren Durchgang können dann noch weitere (und oft bessere) Lösungsideen hinzugefügt werden. Es gewinnt die Lösung, die auf den geringsten Widerstand in der Gruppe stößt.

– Sebastian –

 

20.08.2012

Ich trete aus …

…zumindest einen Blogeintrag lang, und stelle mir die Luftschlosserei von außen vor, ganz frisch, zum ersten Mal davon gehört. Zudem kreisen mir Stimmen von Bekannten und Freunden durch den Kopf:

Wow, ein Cocktail aus so vielen Idealen und Ansätzen, die ich auch super oder zumindest akzeptabel finde. In diese Richtung sollte es zwar gehen mit der Gesellschaft… aber wenn ich mir das konkret anschaue, kommen mir doch einige Bedenken. Das Projekt erscheint mir hier und da doch als selbst gewählte Insel, weniger als die große Freiheit. Wie stark wöllte ich mich auf eine Gruppe einlassen, wie viele Verbindlichkeiten eingehen, um Träume zu verwirklichen? Ist das überhaupt mein Traum, an dessen Realisierung da gewerkelt wird? Und wer sind diese Luftschlosser*innen überhaupt? Verborte, idealistische Selbstausbeuter*innen? Würde ich mit ihnen klar kommen? Kennen die auch ein Leben jenseits des Projektes? (Der Verfasser liegt gerade am See.) Wäre ich dem überhaupt gewachsen? Könnte ich mich befriedigend einbringen? Wo wäre mein Platz? Ist nicht schon alles fertig – ich möchte schließlich nicht nur fremde Pläne umsetzen! (Klar, für manche Dinge hat die aktuelle Gruppe ihre Lösungen gefunden – doch einiges erweist sich bestimmt später oder mit neuen Leuten als ungünstig. Und die vielen offenen oder ungeahnten Flügel der Luftschlosserei haben wir hier nicht dargestellt.) Ich möchte doch auch träumen, überlegen, probieren, lernen… Was soll’s, einiges kommt mir ohnehin seltsam vor. Und ein Gelände haben die ja auch noch nicht…

Uff… warum bin ich eigentlich dabei, wo es doch so viele Bedenken, Ängste und vielleicht auch berechtigte Kritik gibt? Warum habe ich mich entschlossen, zumindest ein Stück gemeinsamen Weg mit der Projektgruppe zu gehen? Vielleicht denke ich mal darüber nach, was ich für diesen Schritt gebraucht habe… aber wenn ich jetzt wieder in die Stuben und Hallen der Luftschlosserei trete, mache ich Erfahrungen, die mich zuversichtlich stimmen. Die Bedenken lösen sich entweder selbst auf oder wir gehen eben auf sie ein.

– Markus –

 

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